Ernährung in der Schule

Was lernen Kinder heute über Ernährung?

von Amil Hota

Amil Hota
02. März 2026

© i.m.a e. V.

Steckbrief Patrik, der Experte in Sachen Landwirtschaft

  • Alter: 57
  • Job: Geschäftsführer von i.m.a - information.medien.agrar e. V.
  • Hobby: Sport
  • Lieblingstier: Bär
  • Lieblingsessen: Asiatisch

Essen ist mehr als satt werden. Es geht um Gesundheit, Klima und Verantwortung. Doch was lernen Kinder heute wirklich über Lebensmittel? Und welche Rolle spielt die Landwirtschaft dabei? Wir haben mit Patrik Simon von i.m.a – information.medien.agrar e. V. gesprochen. Er erklärt Trends, Chancen und Herausforderungen.

Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit landwirtschaftlichen Themen in Schulen. Wie hat sich das Interesse verändert?

Wir untersuchen seit mehr als 40 Jahren das Verhältnis von Kindern und Jugendlichen zu Themen der Natur, Landwirtschaft und Ernährung. Lange Zeit nahm das Interesse ab. Aber seit etwa zehn Jahren, seit der Weltklimakonferenz in Paris 2015, hat das Bewusstsein für unsere natürlichen Ressourcen wieder zugenommen. Aufwind hat diese Entwicklung durch „Fridays for Future“ 2019 bekommen. Spätestens seitdem sind diese Themen in den Klassenzimmern angekommen.

Ernährung ist mehr denn je ein Diskussionsthema. Welche Rolle spielt schulische Bildung dabei?

Ernährung ist ein zentraler Bestandteil der Alltagskompetenzen. Leider sind gerade diese eines der meistgenannten Defizite des Schulsystems. Aus diesem Grund wurde 2021 vom Bayerischen Kultusministerium das Konzept „Schule fürs Leben“ erlassen. Im Fokus dabei besonders die Felder „Ernährung“ und „Gesundheit“. ABER – bundesweit sind diese Themen unterrepräsentiert. Der Bereich Ernährung taucht aktuell auch eher in den Lehrplänen der Primarstufe auf. Unterm Strich ist meine Feststellung: Da geht mehr. Zumal häufig Impulse von außen in die Schulen eingebracht werden, zum Beispiel durch die Ernährungsweise der Eltern. Diskussionen um halal, koscher und vegan in Schulkantinen veranschaulichen das.

Snacking, Go-to-Kultur, Convenience – Immer mehr Schüler:innen konsumieren Lebensmittel, ohne zu wissen, woher sie kommen und was in ihnen steckt. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Expert:innen sehen das sehr kritisch. Denn Wissen und Entscheidungsfähigkeit rund um Ernährung werden systematisch geschwächt. Zu den zentralen Problemfeldern dieser Entwicklung gehören der Verlust des Lebensmittelbezugs, gesundheitliche Risiken und kognitive Auswirkungen, wie die beeinflusste Willensbildung durch zum Beispiel digitale Werbung.

Wie wichtig sind dabei außerschulische Lernorte?

Extrem wichtig. Praktische Projekte wie „Kids an die Knolle“, die „GemüseAckerdemie“ oder die „Schule fürs Leben“ schaffen Erlebnisse. Das macht Spaß und fördert spielerisch wichtige Kompetenzen. Wissensvermittlung an außerschulischen Lernorten ist der Schlüssel, um die Entfremdung von Lebensmitteln zu durchbrechen. Denn so erleben Schüler:innen, wie viel Arbeit in der Erzeugung von Nahrungsmitteln steckt. Das fördert die Wertschätzung und wirkt der „Convenience-Kultur“ entgegen.

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Geflügelfleisch ist die beliebteste Fleischart in Deutschland. Was bedeutet das für den Unterricht?

Geflügel eignet sich im Unterricht gut als Beispiel für Alltagshandeln. Themenfelder sind beispielsweise Kochen, ökologischer Fußabdruck, Konsum oder globaler Handel. Kontroverse Fragen gehören natürlich auch dazu. Bildung soll helfen, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Unsere Projekte „EinSichten in die Tierhaltung“ und „Lernort Bauernhof“ bieten hierzu gute Ansätze. Die Projekte liefern realistische Einblicke, zeigen eventuelle Zielkonflikte und unterstützen mit fundiertem Lernmaterial.

Wie kann Schule als Lernort Interesse an Lebensmitteln „Made in Germany“ wecken?

Die kurze Antwort: durch Erlebnisse. „Angreifen, fühlen, schmecken, riechen“ wandelt den abstrakten Begriff „Made in Germany“ in etwas Reales um. Das gelingt zum Beispiel, indem die Schule die Gesichter hinter den Produkten zeigt – und sei es durch den Bauernhof von nebenan. Oder wie wäre es mit einem Saisonkalender in der Mensa oder einem Themenposter im Klassenraum? Es gibt viele weitere Ideen wie Konzepte für die Schulküche … Es muss nicht sofort perfekt sein, aber der Anfang ist wichtig. Jeder Schritt wirkt der „Egal-Einstellung“ entgegen.

Stichwort: Zukunft. Welche Trends sehen Sie in der Ernährungsbildung?

Die Ernährungsbildung wird praktischer und digitaler zugleich. Es geht nicht nur um Kalorien. Es geht um Klima, Technik und Verantwortung. Kinder sollen verstehen, wie Essen entsteht – und bewusst entscheiden können. Die Ernährungsbildung der Zukunft macht Schüler:innen nicht nur satt, sondern sie macht sie zu kritischen „Food-Citizens“.

Was ist der Verein i.m.a?

Der i.m.a – information.medien.agrar e. V. vermittelt Wissen zu Themen der Landwirtschaft, Ernährung und Naturbildung. Seit mehr als sechzig Jahren entwickelt er Unterrichtsmaterialien für Schulen und bietet Lehrkräften Bildungsmaterialien für den Einsatz im Schulunterricht an.

Zudem organisiert der i.m.a e. V. Bildungsangebote wie:

  • Landwirtschaft macht Schule
  • Netzwerk Lernort Bauernhof
  • EinSichten in die Tierhaltung

Ziel dabei ist es immer, die Landwirtschaft verständlich, sachlich und praxisnah zu erklären.


Mehr Infos: www.ima-agrar.de

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